seit 2015

Der Verein Institut für Neue Soziale Plastik wurde 2015 anlässlich des drohenden Verkaufs von Gut Neuendorf bei Fürstenwalde (Spree) gegründet. Das Gut ist für die Brandenburger Lokalgeschichte von großer Bedeutung: als historischer Ort jüdischer Selbstorganisation, der Hachschara-Bewegung und später der Verfolgung von Juden und Jüd*innen. Zu den ersten Aktivitäten des Vereins gehörte, die Unterschutzstellung von Gut Neuendorf durch das Landesdenkmalamt zu erwirken – mir Erfolg. 2018 konnte ein gemeinnütziger Träger das Gut erwerben, wegen des Denkmalschutzes zu einem Bruchteil des ursprünglich anvisierten Verkaufspreises. Das Institut für Neue Soziale Plastik e. V. setzte verschiedene kleine Projekte zum Thema um.

Seit seiner Gründung recherchiert das Institut für Neue Soziale Plastik e. V. zur jüdischen Hachschara-Bewegung, zu ihren vielen Orten in Brandenburg, zu den die Bewegung tragenden Organisationen, aber auch zur Geschichte der Bewegung nach 1945 bis zur Staatsgründung Israels. Inzwischen hat der Verein eine Vielzahl von Quellen und Literatur zusammengetragen. Oft handelt es sich um Materialien, die vergriffen und selbst archivarisch schwer zu finden sind.

Dass die wenig bekannte Geschichte der zionistischen Vorbereitung (= Hachschara) auf die Emigration nach Palästina/Israel die ihr gebührende Aufmerksamkeit erfährt, ist ein wichtiges Anliegen des Vereins. Die Rechercheergebnisse mit anderen Akteur*innen zu teilen, zählt daher zu den Prinzipien des Instituts für Neue Soziale Plastik e. V. Der Verein kooperiert dafür mit zahlreichen Partner*innen wie dem Museum Fürstenwalde, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, dem United States Holocaust Memorial Museum, Yad Vashem und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Die Hachschara-Bewegung

Das hebräische Wort Hachschara – Mehrzahl: Hachscharot – bedeutet »Tauglichmachung, Vorbereitung«. Es bezeichnet Einrichtungen, in denen sich junge Juden und Jüd*innen auf ihre Einwanderung nach Erez Israel (das Land Israel/Palästina) vorbereiteten.

Im Jahr 1917 wurde im brandenburgischen Messingwerk bei Eberswalde eine der ersten deutschen Hachschara-Stätten gegründet. In der Folge entstanden an vielen weiteren Orten des Deutschen Reiches Heime oder Lager der Bewegung, insgesamt offenbar mehr als 130.

Die Hachschara-Bewegung war beispielgebend für jüdische Selbstorganisation und kooperative Unterstützung. Sie ging hervor aus der ausdifferenzierten jüdischen Wohlfahrtspflege und der bündischen Jugend der Weimarer Zeit. Während des Nationalsozialismus wandelte sich das freiwillige »Tauglichmachen« (Hachschara) zu einer Form widerständiger Selbstbehauptung gegen Verfolgung.

Das internationale Netzwerk der zionistischen Pionierorganisation Hechaluz ermöglichte Tausenden eine Ausbildung, die Flucht in ein anderes Land oder das Überleben und Widerstandsaktionen im Herrschaftsbereich der Nazis.

Eines der Zentren der Hachschara-Bewegung war Brandenburg.