WIDERSTÄNDIGE_BEZIEHUNGEN

2017 bis 2018

Widerständige_Beziehungen erschloss neue Perspektiven und Zugänge, was Gedenkstättenarbeit und die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte betrifft. Ausgangspunkt waren Selbstzeugnisse in Archiv und Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, genauer: Geschenke, die in Ravensbrück inhaftierte Häftlinge einander gemacht haben. Das Projekt verband wissenschaftliche und (partizipative) künstlerische Formen der Arbeit miteinander.

Auf der Suche nach Spuren lesbischer Häftlinge im KZ Ravensbrück war das Projektteam auf Geschenke aufmerksam geworden: Können Ringe, die Frauen anderen Frauen schenkten, als Zeichen einer Liebesbeziehung gedeutet werden? Warum und warum nicht? Welche Quellen und Deutungsmöglichkeiten scheinen glaubwürdig und objektiv, welche gelten als versponnen und subjektiv – warum? Widerständige_Beziehungen sah Geschenke zwischen den Häftlingen im KZ als »offenen Protest gegen die Entwürdigung. Alles konnte die SS verbieten, uns zu Nummern degradieren, uns mit dem Tode bedrohen, uns versklaven – in den Gefühlen zu einander blieben wir frei und unantastbar« (Margarete Buber-Neumann: Milena, Kafkas Freundin).

Todosch Schlopsnies: Ball der Kinder
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Die Geschenke waren der Ausgangspunkt für eine geschlechterreflektierte Arbeit über (Freundschafts- und Liebesbeziehungen als) Widerständigkeit im Kontext des KZ. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Objekten hatte zum Ziel, Ritualisierungen und Gewohnheiten der Erinnerungspraxis aufzuweichen; sie stand in Dialog mit wissenschaftlicher und historischer Arbeit. Indem Widerständige_Beziehungen den Fokus auf Akte des Schenkens legte, konnte der Autonomie der Individuen, die hinter den Geschenken stehen, entsprochen werden. Der historischen Forschung wird sich der Akt des Schenkens im KZ im Detail immer entziehen, was den künstlerischen Ansatz so wertvoll machte.


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Frauengeschichte ist oft verborgen, da sie nicht öffentlich, nicht dokumentiert ist. Dieser Herausforderung galt es zu begegnen. Dafür wurde beispielhaft ein mehrstufiger Arbeitsprozess entwickelt und durchlaufen: mit wissenschaftlichen und künstlerischen Recherchen, Performances im öffentlichen Raum, der Arbeit mit Jugendlichen und einer Installation im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam im März 2018.

Das Projekt wurde gefördert von:
Stiftung EVZ - Erinnerung, Verantwortung, Zukunft