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15. Oktober 2026

Boykott entgegenwirken, Freiräume verteidigen

Symposium „Boykottiert“ und Podiumsdiskussion „Unter Druck“ am 8. November 2026 in Frankfurt

„Eskaliert sofort alle BDS-Kampagnen!“, postete das israelfeindliche Netzwerk Boycott, Divestment, and Sanctions (BDS) am 7. Oktober 2023. Drei Jahre nach dem Überfall islamistischer Terrorgruppen auf Israel ist neben diese Aufforderung längst ein ‚stiller‘ Boykott getreten – mit dramatischen Folgen für jüdische und israelische Künstler:innen und Wissenschaftler:innen.

Auch Kulturinstitutionen geraten angesichts der aggressiv agierenden Boykottkampagnen zunehmend unter Druck. Wie können sie dennoch Gehör finden? Welche Allianzen könnten dabei helfen? Und wie kann in dieser Gemengelage eine differenzierte Auseinandersetzung in Gang kommen?

Keynotes, Gespräche, Workshops, Führungen und künstlerische Interventionen

Diesen Fragen widmet sich das Symposium „Boykottiert“, welches das Institut für Neue Soziale Plastik und das Jüdische Museum Frankfurt gemeinsam ausrichten: Das ganztägige Format thematisiert die Dynamiken, die von Boykottforderungen im Kultur- und Wissenschaftsbereich ausgehen, sowie mögliche Strategien der Gegenwehr.

Das Symposium umfasst Keynotes und Gespräche, Workshops, Führungen und eine künstlerische Intervention. Es mündet in einer öffentlichen Abendveranstaltung, in welcher der zunehmende Druck thematisiert wird, unter dem Kulturinstitutionen angesichts von Boykott und Kulturkampf stehen. Unter den zahlreichen Beitragenden zu dem Symposium sind der Historiker Norbert Frei, die Soziologin Eva Illouz, die Publizistin Rachel Salamander, die Diskriminierungsforscherin Julia Bernstein, der Museumsmacher Emile Schrijver sowie der Choreograf Ido Feder. An der öffentlichen Podiumsdiskussion „Unter Druck “ nehmen die Kulturmanagerin Katarzyna Wielga-Skolimowska, der Kurator Peter Gorschlüter und der Verleger Sebastian Guggolz teil.

Stella Leder, Vorstand des Instituts für Neue Soziale Plastik, sagt: „Der Boykott ist längst Realität. Seit dem 7. Oktober 2023 häufen sich Berichte jüdischer und israelischer Künstler:innen und Wissenschaftler:innen von stiller und mitunter auch offener Ausgrenzung. Auf öffentliche Boykottaufrufe folgen Ausladungen, und Einladungen bleiben zunehmend aus. Dieser sukzessiven Verdrängung jüdischer und israelischer Perspektiven möchten wir entgegentreten. Nicht weniger besorgt uns der immer stärkere Druck auf Kulturinstitutionen durch autoritäre Bestrebungen diverser Couleur. Das Schicksal der Kunstfreiheit entscheidet sich nicht zuletzt an unser aller Fähigkeit, sichere Diskursräume aufrechtzuerhalten.“

„Ich freue mich sehr,“ ergänzt Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, „dass wir gemeinsam mit dem Institut für Neue Soziale Plastik vor dem Jahrestag des Novemberpogroms dieses hochkarätige Symposium veranstalten. Mit seiner Eröffnung am 9. November 1988 führte das Jüdische Museum Frankfurt eine Lernnacht ein, die sich anlässlich dieses Jahrestags erinnerungskulturellen Fragen und der Aktualität von Gewalt gegen Jüdinnen und Juden widmet. Boykottaufrufe gegen Menschen und Einrichtungen, denen eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär unterstellt wird, wohnt eine latente Gewaltandrohung inne. Kulturkampfstrategien versuchen dem entgegen zu wirken, verstärken allerdings die Polarisierung des öffentlichen Diskurses. Angesichts dieser Gemengelage wird es für Kultureinrichtungen im Allgemeinen und für Jüdische Museen im Besonderen zunehmend schwieriger, der latenten und manifesten Gewalt gegen Jüdinnen und Juden sowie andere gesellschaftliche Minderheiten entgegen und demokratiebildend zu wirken.“


Boykottiert – Jüdische Künstler:innen und Wissenschaftler:innen zwischen Ausgrenzung und Gegenwehr

Symposium

  1. November 2026, 11:00-18:00 Uhr
 Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main


Programm

11:00 Uhr – Begrüßung und Einführung Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Jüdisches Museum Frankfurt, und Stella Leder, Institut für Neue Soziale Plastik

11:15 Uhr – Keynote: Boykott in Deutschland. Der 1. April 1933 als Erinnerungsort Prof. Dr. Norbert Frei, Historiker und Seniorprofessor, Universität Jena

11:45 Uhr – Keynote Prof. Dr. Emile Schrijver, Generaldirektor des Jüdischen Kulturviertels Amsterdam

12:15 Uhr – Q&A zu beiden Vorträgen

12:30 Uhr – Gespräch: Boykott, Bedrohung, Schweigen – Befunde aus der Dokumentation eines jüdischen Netzwerks Prof. Dr. Julia Bernstein, Professorin für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft, Frankfurt University of Applied Sciences

12:50 Uhr – Künstlerische Intervention Ido Feder & The Boycottables

13:20 Uhr – Mittagspause

14:00 Uhr-16:00 Uhr – Workshops

Workshop 1: The Boycottables Manifesto (ENG) 
The workshop explores the role of art within a shifting political reality, at a moment when familiar forms of belonging, solidarity, and resistance no longer seem sufficient. It begins with a short lecture based on The Boycottables manifesto, examining the tragedy of Jewish nationalism and the dramaturgy of antisemitism, followed by practical exercises inviting participants to imagine new artistic positions and strategies. The workshop concludes with a collective discussion of the possibilities—and limits—of artistic action today. Ido Feder (Choreograf und künstlerischer Leiter, Diver Festival Tel Aviv)

Workshop 2: Boykott-Legitimation in den Künsten 
Die antisemitisch motivierte Geschichte des Boykotts gegenüber Israel erfährt auch innerhalb der aktuellen Kunstproduktion Legitimationsversuche durch fortlaufende Dämonisierung. Der Workshop führt mit einem Input-Vortrag in typische künstlerische Narrative und Bilder dieser Dämonisierung ein und fragt in anschließender gemeinsamer Diskussion, inwieweit diese auf jahrhundertealte Motive des Judenhasses rekurrieren um sie als vermeintliche „Argumente“ für Ausgrenzung und Boykott zu instrumentalisieren. Eva Marburg (Kulturjournalistin und Projektleiterin am Institut für Neue Soziale Plastik)

Workshop 3: Aktuelle Erkenntnisse zu antisemitischen Vorfällen und Boykott 
Seit dem 7. Oktober 2023 verzeichnet der Bundesverband RIAS eine deutliche Zunahme von Boykottaufrufen gegenüber jüdischen und antisemitismuskritischen Personen und Einrichtungen – auch und besonders im Kulturbetrieb. Der Workshop gibt Einblick in die Datenlage und diskutiert, was die Dokumentation antisemitischer Vorfälle über Muster, Dynamiken und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Boykott verrät. Benjamin Steinitz (Geschäftsführer des Bundesverbandes RIAS) und Stella Leder (Leiterin des Instituts für Neue Soziale Plastik)

Workshop 4: Führung durch das Jüdische Museum mit Sara Soussan (Kuratorin Jüdische Gegenwartskulturen des Jüdischen Museums Frankfurt)

16:00 Uhr-16:30 Uhr – Kaffeepause

16:30 Uhr – Gespräch: Freiheit unter Vorbehalt Dr. Rachel Salamander, Literaturwissenschaftlerin, Publizistin und Gründerin der Literaturhandlung München und Prof. Dr. Eva Illouz, Soziologin, Hebräische Universität Jerusalem und EHESS Paris

17:30 Uhr / 18:00 Uhr Ende

Eintritt frei. Anmeldung erforderlich: neue-soziale-plastik.de/boykottiert Nach dem Klick auf den Anmeldelink können Sie ein Ticket für Ihren gewünschten Programmpunkt auswählen.


Unter Druck. Kulturinstitutionen zwischen Boykott und Kulturkampf

Öffentliche Podiumsdiskussion

  1. November 2026, 19:00 Uhr
 Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main

Boykottaufrufe und Kulturkampf-Strategien sind zwar entgegengesetzten politischen Lagern zuzuordnen, haben aber vieles gemeinsam: Sie schränken die Gestaltungsfreiheiten ein und intervenieren politisch in das Programm und Profil von Kultureinrichtungen, um diese in ihrem Sinne zu verändern. Was können Kulturinstitutionen tun, um dem entgegenzutreten? Welche Rahmenbedingungen benötigen sie, um weiterhin sichere Räume für diverse und herausfordernde Reflexionen zu bieten? 

Über diese und weitere Fragen diskutieren im Rahmen der Lernnacht des Jüdischen Museums Frankfurt die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Katarzyna Wielga-Skolimowska, der Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, und der Kunsthistoriker und Direktor des Museums Folkwang, Prof. Peter Gorschlüter. Es moderiert Cécile Schortmann (3sat Kulturzeit).

Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten an: veranstaltungen[.]jmf[at]stadt-frankfurt[.]de Eintritt: 10 €, ermäßigt 5 €. 


Gefördert durch:

Bundesministerium des Innern

Hessisches Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur

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